Erschienen am 19.03.2018 im Freien Wort

Die deutsche Leitkultur dürfe nicht verwässert werden, so wie auch künftig weiter Schweinefleisch in die Thüringer Wurst gehöre. Bundestagsvizepräsident Hans-Peter Friedrich (CSU) zeigte zum Schlachteessen der CDU Südthüringen klare Kante.

Walldorf – Deftig geht es zu beim Schlachtessen der Südthüringer Union im Walldorfer Kressehof. Nicht nur beim Essen. Auch am Rednerpult. Das hat Tradition wie die Veranstaltung selbst, mit der die Christdemokraten prominente Referenten in den Süden des Freistaates locken. Letztes Jahr redete Rainer Wendt, Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, Klartext, vergangenen Freitagabend nun waren es Bundestagsvizepräsident Hans-Peter Friedrich (CSU) und der stellvertretende Thüringer CDU-Landesvorsitzende Mario Voigt. Beide analysierten in ihren Politikfeldern messerscharf die aktuellen Problemlagen und hatten reichlich Würze in den Lösungsvorschlägen. Das kam gut an beim Publikum und ließ die Zeit bis zum deftigen Schlachte-Buffet nicht zu lang erscheinen. Glück für Friedrich, der sich in Lebensgefahr wähnte, wenn er vor hungrigen Menschen zu lange reden würde …

Die Gefahr bestand jedoch zu keiner Zeit, auch wenn sich Friedrichs Ankunft durch das Schneechaos etwas verzögert hatte. Der Franke fühlte sich beinahe wie daheim, zudem machte er gleich zu Beginn reihenweise Komplimente: An Mark Hauptmann, der sich schon in seiner ersten Wahlperiode im Bundestag einen sehr guten Namen gemacht habe, an Mario Voigt, den er auch im Fränkischen gerne als Wahlkampfredner sehen möchte und an die CDU Thüringens, die es gut verstanden habe, einen Generationswechsel einzuleiten.

Ohne vorgefertigtes Redemanuskript legte Friedrich los: „Endlich haben wir eine arbeitsfähige Regierung!“ Allerdings werde die Wahlperiode „schwierig wie keine andere“. Auch, weil sich der Koalitionspartner SPD „noch nicht gefunden“ habe. Zudem vermisse er die Durchschlagskraft bei deren handelnden Personen. Wenn die Genossen vor allem Schulden machen wollten, müsse man dagegenhalten. „Nicht mit uns!“ Der einstige Bundesinnenminister beschrieb die heutige „multipolare Welt“, in der selbst auf einstige enge Partner nicht mehr uneingeschränkt Verlass sei. Die Globalisierung sei zwar die Basis unseres heutigen Wohlstandes, doch beträfen Effekte dieser jeden Einzelnen. „Wir haben heute ganz andere Probleme, als um 20 Cent mehr Stundenlohn zu streiten. Es geht vielmehr um die Frage, wie wir unsere Wirtschaft wettbewerbsfähig halten in einer digitalisierten Welt, in der sich alles verändert.“ Viele Dinge hätten die Menschen in ihren Grundfesten erschüttert. Dies habe in den vergangenen 20 Jahren zu einer „Entgrenzung der Kulturen“ geführt. Daraus wiederum habe sich die Sehnsucht der Leute nach Ordnung, Identität, Kultur und Tradition entwickelt, die sie nicht „irgendwelchen multikulturellen Entwicklungen opfern wollen“. Dies sei nicht nur in Deutschland der Fall. Friedrich leitet daraus ab, dass „die Ideologie des Multikulti genauso falsch ist wie die des Sozialismus“. Am Ende des Tages sei diese „zerstörerisch“. Die Union müsse daher den Menschen das Bewusstsein geben, dass sie für sich für ihre Kultur, ihre Identität, ihre Heimat einsetze. Das dürfe man nicht der AfD und all jenen überlassen, die „keine Visionen für unser Land haben“. Diese zögen nur wie die „Lumpensammler“ durchs Land, um jede Art von Protestbewegung aufzunehmen und daraus Kapital zu schlagen. In allen anstehenden Wahlkämpfen gelte es daher klarzumachen, wo „unser Kompass als CDU/CSU“ ist. Denn in vielleicht auch mal wieder schwierigeren Zeiten könnten nur Parteien führen, die das Grundvertrauen der Bürger genießen.

Als reiches Land, das von christlichen Überzeugungen geprägt sei, habe Deutschland die „verdammte Pflicht“, den Menschen, den es schlecht geht, zu helfen. „Aber wir können nicht alle in unser Land holen, weil wir sie nicht alle integrieren können.“ Die Integrationsfähigkeit habe Grenzen, die nicht überschritten werden dürften. „Wenn wir die Bildung von Parallelgesellschaften zulassen, wird es uns zerreißen.“ Man müsse daher allen klarmachen, das in Deutschland „unsere Leitkultur“ gelte. „Und wir nicht bereit sind, diese Kultur verändern, verwässern, verfälschen zu lassen. Wir erwarten von jedem, der hierher kommt, das er sich an uns anpasst. Und, dass in die Thüringer Rostbratwurst Schweinefleisch kommt, muss auch eine Selbstverständlichkeit bleiben.“ Der Bundestagsvizepräsident bezeichnete außerdem den Zusammenhalt der Europäischen Union sowie die Digitalisierung als die größten Herausforderungen der Zukunft.

Zuvor hatte Mario Voigt mit seinen Erfahrungen als Abgeordneter des Thüringer Landtags die Arbeit der rot-rot-grünen Landesregierung heftig kritisiert. Beispiele wie die gescheiterte Gebietsreform oder Pläne für Windenergie im Thüringer Wald und die verfehlte Bildungspolitik zeigten, dass diese Regierung das Land nicht verstehe. Aus diesem Grund müsse man schon im aktuellen Wahlkampf Vertrauen zurückgewinnen. Dazu sei es nötig, Probleme zu benennen und Lösungen anzubieten. „Jetzt geht es um die Wurst!“ Am Buffet probierten die zahlreichen Gäste aus ganz Südthüringen das schon mal aus.