erschienen am 29. Januar 2018 im Freien Wort

Jetzt ist es offiziell: Christiane Barth will Landrätin im Kreis Schmalkalden-Meiningen werden. Die CDU hat die 33-jährige Wasungerin für die Wahl am 15. April aufgestellt.

Walldorf/Meiningen – Samstagvormittag im Saal der Gaststätte „Brückenmühle“ in Walldorf: Christiane Barth hat ihren ersten großen Auftritt auf politischer Bühne. Die zierliche junge Frau trägt einen schwarzen Hosenanzug und eine weiße Bluse. Eine Kette mit kleinem silbernen Kruzifix ziert ihren Hals. Das Kreuz zeigt, dass ihr der Glaube wichtig ist. 33 Jahre ist die Wasungerin alt, verheiratet und Mutter zweier Söhne, die Heinrich und Otto heißen. Am Rednerpult stellt sie sich den CDU-Mitgliedern vor, spricht über ihr Leben und ihre politischen Ziele. Sie ist stellvertretende Vorsitzende des Kreisverbands, Stadtratsmitglied und ehrenamtliche zweite Beigeordnete in Wasungen. Beruflich ist die Geschichts-, Religions- und Sozialwissenschaftlerin mit Masterabschluss als persönliche Referentin für die Landtagsabgeordnete Christine Liebetrau tätig.

Hier in der „Brückenmühle“ wirbt sie darum, von ihrer Partei für die Landratswahl Mitte April aufgestellt zu werden. Schon vor einigen Wochen hat der Vorstand sie in Stellung gebracht. Da allerdings galt die Wahlkampf-Mission als nicht sonderlich aussichtsreich. Die Parteistrategen gingen mehr von einer Warmlaufphase für die dann aussichtsreichere Runde 2 in sechs Jahren aus. Doch mit dem überraschenden Rückzug des beliebten Amtsinhabers Peter Heimrich (SPD) ist plötzlich alles anders. Und alles möglich. Es gibt keinen Favoriten mehr. Noch ist nicht raus, wer alles antritt. Die CDU geht zuerst aus der Deckung. Die anwesenden Mitglieder schicken Christiane Barth bei der geheimen Abstimmung in Walldorf mit 62 Ja-stimmen, 9 Neinstimmen und 4 Enthaltungen in den Wahlkampf um den Landratsposten.

 

„Ein schwarzer Peter“

Am Tag ihrer Nominierung ist Heimrichs überraschender Verzicht auf eine erneute Kandidatur die Hauptschlagzeile in der Lokalpresse. Der Landrat hatte den CDU-Kreisvorsitzenden Michael Heym schon vor einiger Zeit von seiner Absicht informiert. Die beiden können inzwischen wieder ganz gut miteinander. Die Gräben nach dem „brutalen Wahlkampf“ (Heym) vor sechs Jahren und den anschließenden CDU-Attacken gegen Heimrichs Plan, als Touristen-Attraktion einen schiefen Turm auf der Hohen Geba zu bauen, schlossen sich mit der Zeit. Heym spricht inzwischen von einem „Vertrauensverhältnis“ und einer „guten Zusammenarbeit“ mit Heimrich. Auch das verrät er: Die CDU spielte im vergangenen Jahr sogar mit dem Gedanken, auf einen eigenen Kandidaten zu verzichten und stattdessen den Amtsinhaber und einstigen Rivalen zu unterstützen.

Heym lobt in seiner Rede in der „Brückenmühle“ den Landrat für seine Standhaftigkeit bei der Gebietsreformdebatte als „Gralshüter des Landkreises“, hebt seine klare Haltung in der Flüchtlingsfrage hervor und findet bei all den Gemeinsamkeiten längst, dass Peter Heimrich ein „schwarzer Peter“ sei. Das sieht Altlandrat Ralf Luther nicht anders: „Er ist einer von uns. Mit uns gibt es mehr Übereinstimmung als mit seinen Genossen.“

Abseits von all dem „schwarzen Humor“ ist Heimrich im Moment vor allem eins: ein Politiker auf Abruf. Aus gesundheitlichen Gründen hat sich der 47-Jährige selbst für diese Schlussrolle entschieden.

Luther ist es, der seinen CDU-Parteifreunden zur Nominierungsveranstaltung am Samstag in Walldorf Christiane Barth als Landratskandidatin empfiehlt. Er bezeichnet die Wasungerin als hochintelligent und preist ihr ausgleichendes Naturell ebenso wie ihre Fachkompetenz an. Für „blitzgescheit“ hält auch die Meininger CDU-Vorsitzende Silke Schulz die Anwärterin auf den Chefsessel im Landratsamt. Barth soll mehrere Sprachen beherrschen, neben Englisch, Französisch und Spanisch auch Latein und Altgriechisch.

Thüringens CDU-Generalsekretär Raymond Walk, der als Ehrengast im Podium sitzt, zollt dem Kreisverband Respekt, dass der sich für eine junge und dynamische Kandidatin entschieden hat. Der Bundestagsabgeordnete Mark Hauptmann stellt ihr Engagement heraus: „Sie sagt: Mir ist meine Heimat nicht egal. Ich will mich einbringen. Es ist wichtig, dass es solche Menschen gibt.“

Kreischef Heym nennt die zierliche, nur 1,63 Meter große Amtsanwärterin eine „Powerfrau“ und erzählt davon, dass sie vor viereinhalb Jahren nur wenige Tage nach der Geburt ihres ersten Sohnes die Arbeit als Geschäftsführerin im CDU-Kreisverband wieder aufnahm. Vor ihrer hauptberuflichen Arbeit in der Partei arbeitete sie sechs Jahre als Dozentin an der Universität in Erfurt.

Junge Mutter

Erst vor vier Wochen ist Christiane Barth erneut Mutter geworden. Wer sie fragt, wie sie den Job als Landrätin mit ihrer Rolle als junge Mutter unter einen Hut bringen will, dem berichtet sie vom Rückhalt in ihrer großen Familie. Ihr Ehemann stammt wie sie aus Wasungen. Zur Motivation für ihre Kandidatur sagt sie:. „Ich liebe meine Heimat und will dazu beitragen, dass wir alle wie auch meine Kinder hier eine Zukunft haben.“ Es sei eine bewusste Entscheidung gewesen, nach dem Studium in Erfurt wieder nach Wasungen zurückzukehren. Als sie gefragt worden sei, ob sie sich eine Kandidatur bei der Landratswahl vorstellen könne, habe sie das als große Chance begriffen. „Aber natürlich ist mir auch klar, worauf ich mich einlasse. Ich habe das sorgfältig mit meiner Familie abgewogen. Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass wir das gemeinsam schaffen wollen“, sagt sie.

Schmalkalden-Meiningen ist einer der stärksten und erfolgreichsten Landkreise Thüringens. Sie wolle diesen Kurs fortsetzen. Barth kündigt an, die Wirtschaft und Landwirtschaft zu stärken und gute Ansiedlungsbedingungen zu schaffen. Sie will sich einsetzen für einen Landkreis, der attraktiv für junge Familien ist. Als weitere Ziele nennt sie den Kampf gegen die geplante Südlink-Trasse durch die Region und den Ausbau des Tourismus in Oberhof und der Rhön. Für mehr Investitionen in das Kreisstraßennetz spricht sie sich ebenso aus wie für einen besseren Autobahnanschluss der Schmalkaldener und den Bau von Ortsumgehungen. Auch der Ausbau von Internet und Mobilfunk müsse stärker vorangehen. „Es kann nicht sein, dass man bei der Fahrt durch unseren Landkreis alle fünf Kilometer in einem Funkloch hängt.“ Sie fordert, dass Förderschulen und Schulen in privater Trägerschaft ebenso wie Berufsschulen und Berufsschul-Zweige im Landkreis unbedingt erhalten werden müssen. Zugleich befürwortet sie einen modernen Öffentlichen Personennahverkehr mit guter Bus-
anbindung im ländlichen Raum.

Der Wahlkampf hat begonnen. Es wird spannend. „Das Spiel ist offen“, betont Michael Heym.

Zur Person

Christiane Barth ist am 24. August 1984 in Meiningen auf die Welt gekommen und in Wasungen aufgewachsen. 2003 legte sie am Werratal-Gymnasium Schwallungen ihr Abitur ab und studierte anschließend an der Universität in Erfurt Geschichts-, Religions- und Sozialwissenschaften. Mit dem Masterabschluss in der Tasche blieb sie als Dozentin an der Uni, bevor sie die Leitung der CDU-Kreisgeschäftsstelle in Meiningen übernahm. Seit 2012 ist sie Mitarbeiterin der Landtagsabgeordneten Christina Liebetrau aus Rotterode. Die Wasungerin ist seit 2012 verheiratet und Mutter zweier Söhne. Sie gehört seit 2014 dem Wasunger Stadtrat an und ist seit 2016 zweite ehrenamtliche Beigeordnete. Im CDU-Kreisverband fungiert sie als stellvertretende Vorsitzende.