Christdemokraten aus dem Raum Schmalkalden haben bei einem Polit-Frühstück in Brotterode die aktuelle Lage sondiert. Sie können sich einen Schulneubau in der Bergstadt vorstellen und sehen die Gebietsreform skeptisch.

Quelle: Südthüringer Zeitung / Freies Wort vom 1. März 2016 – Text: Thomas Heigl / Foto: fotoart-af.de

Brotterode-Trusetal – Dass es in Brotterode-Trusetal in den nächsten Jahren Klassenkampf gegeben könnte, hat nichts mit dem mehr oder weniger zufälligen Zusammentreffen von CDU und SPD am Sonntag im selben Brotteroder Hotel zu tun. Die Kommunalpolitiker waren alles andere als auf Krawall gebürstet und kamen sogar mal auf eine Stippvisite zur Konkurrenz. Den Kampf dürfte es vielmehr um die Gemeinschaftsschule Trusetal geben. Die hat nämlich kaum 200 und damit deutlich weniger Schüler, als es sich Thüringens Kultusministerin Birgit Klaubert von der Linkspartei vorstellt und würde das Klassenziel klar verfehlen. „Die würde in Frage stehen“, sagte Christina Liebetrau, Rotteroder Bürgermeisterin und Landtagsabgeordnete. Bildungsdefizite sehen die CDU-Vertreter aber auch im Kreis. Dass der Bildungsausschuss fast ein Jahr nicht mehr in klassischer Form getagt habe, sei nicht akzeptabel.

Das Schulnetz, mit den Jahren erschlafft, müsse dringend gestrafft werden. Man könne nicht bis 2018 warten. Ralf Liebaug aus Schmalkalden merkte an, es gebe aber auch Schnittpunkte mit Nachbarkreisen, die gerade wegen der Gebietsreform berücksichtigt werden müssten. Kritisch sehen die CDU-Vertreter private Schulen, die Schutznetze beschädigen können. Jede neue Schule wirke sich auf das Gesamtsystem aus, da sie ihre Schüler nicht mitbrächten. Beim neuen Schulnetz plädiert die CDU allerdings für Augenmaß. Der Grundsatz: „Kurze Wege für kurze Beine“ gälte, auch wenn man den Kindern Fahrzeiten nicht immer ersparen könne. Der Kreis habe mit der Schließung der Grundschule Trusetal die Grundschule in Brotterode gesichert, sagte Bürgermeister Karl Koch, einst Kreistagsmitglied, der an der Runde teilnahm. Und die Grundschule in Brotterode müsse bleiben. Die CDU-Vertreter sehen das ebenso und würden sogar einen Schulneubau durchpauken. Die Schulleiterin, so Liebetrau, würde auch dieser Variante gegenüber einer Sanierung den Vorrang geben. Der beste Standort wäre aus Sicht der Sonntagsrunde nahe der Sporthalle und dem Inselbergbad, das auch davon profitiere. Man könne ja die Wärme aus der Heizung nutzen und so besser wirtschaften. Die Kinder hätten kürzere Wege zu Sporthalle und Bad. „Und eine Schule baut man mindestens für 30 Jahre.“ Die denkmalgeschützte Schule könne man beispielsweise als Wohnsitz für ältere Bürger nutzen. „Es gibt Redebedarf“, so Liebaug, der in der Debatte um die Gebietsreform auf die Argumente des Landes konterte: „Ich bin da nahe beim früheren Floh-Seligenthaler Bürgermeister Peter Fräbel. Es gibt eine kritische Größe. Darüber und darunter wird es unwirtschaftlich.“ Und dass Kommunen nach Eingemeindungen das Satzungsrecht der Städte übernehmen müssten, etwa mit hohen Kindergartenbeiträgen, halte er für falsch.