Kreisverband Schmalkalden-Meiningen

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Er werde jetzt noch ein bisschen mehr Stress haben , sagte der junge Landrat Luther in einem seiner ersten Interwievs, wahrscheinlich ohne zu wissen,was er da sagte

Denn tatsächlich hat der erste Mann im Kreis einen rappelvollen Kalender und ist auch an den Wochenenden oft ausgebucht. Zehn Termine am Samstag und Sonntag sind üblich - es können aber auch 30 und mehr sein.
Der Politiker Luther hält es wie der Luther, der große deutsche Reformator. Er schaut dem Volk aufs Maul, ist eher Poltergeist denn Feingeist. Legendär sind seine Grußbot- schaften. "Ich bin gut drauf, was?" schmettert der Lautsprecher Luther, der kein Mikrofon braucht, bei einem Spatenstich den Ehrengästen in Schlips und Kragen zu. Und bei einem Richtfest forderte er: "Her mit der Wasserwaage." Und als ein Adliger Herr in den frühen neunziger Jahren seine Aufwartung im Landratsamt machte und sich durch einen der Herren aus seinem Hofstaat vorstellen ließ, knurrte der mit mehreren Limoflaschen bewehrte Luther zu dessen Entsetzen . " Ach so. Nachher will auch irgend so ein Prinz kommen."
Doch wer Luther unterschätzt, hat schon verloren. Er ist hart im Nehmen und stark im politischen Nahkampf. Als es 1994 um die Nominierung des CDU-Kandidaten für die Landratswahl im neu geschaffenen Kreis Schmalkalden-Meiningen ging, gelang ihm sein politisches Meisterstück. Er konnte, aus der Außenseiterposition heraus, sich gegen den intellektuellen Ralph Puderbach durchsetzen.
Aber auch der von dem bisweilen verhaltensauffälligen Luther geführte Landkreis fällt auf. Im Altkreis Schmalkalden, der Werkzeugkiste Thüringens, gibt es mehr Industriearbeitsplätze als in Nordhessen, die Arbeitslosigkeit ist vergleichsweise niedrieg. Aber auch hier beheimatete Nahrungsmittelhersteller behaupten sich prima auf dem hart umkämpften deutschen Markt. Die meisten Schulen im Landkreis sind in einem Top-Zustand, die Kreistraßen saniert. Das Landratsamt ist personell glänzend aufgestellt. Vom Schuldenberg ist nur ein Hügelchen übrig geblieben, aber ein ansehnliches Vermögen in der Rücklage angehäuft worden. Und als der Haushälter Luther im Redaktionsgespräch auf die Finanzpolitik des Landes angesprochen wurde, wütete der Haudrauf Luther: "Die sind verrückt."
Höchst ehrenvoll ist sein Verdienst um den wintersport in der Region, vor allem um Oberhof. Luther brachte Schwung in den Laden: Er hat mit seinen Mitstreitern die einst schlaffen Strukturen gestrafft. Bein Bau der Skihalle, durchaus nicht unumstritten, legte der Landrat die Erfolgsspur.

Luther gehört zu den Dinosauriern unter den Landräten in Thüringen. Eberhard Schiffner aus Meiningen und Achim Storz aus Bad Salzungen, allesamt Männer der ersten Stunde nach der Wende, sind schon lange nicht mehr im Geschäft: Luther der ewige Landrat? Wohl nicht: 2012 will der CDU-Politiker, von vielen politischen Konkurrenten sehr geachtet, in den Ruhestand treten: Sicher nicht unauffällig - versteht sich.

© CDU Schmalkalden-Meiningen 2012