Pressestimmen

Dinosaurier unter den Thüringer Landräten (FW v. 14.06.10)

Unter den 301 Landräten in Deutschland ist er sicher einer der auffälligeren: Ralf Luther, hemdsärmeliger und volkstümlicher Instinktpolitiker, Praktiker und Pragmatiker. Es gibt Leute, die haben ihm nur ein paar Monate gegeben, damals im Sommer 1990. Doch der Mann mit dem grauen Stoppelbart hat sich als erfolgreich im politischen Tagesgeschäft gezeigt. Am Sonntag hat er, von der Öffentlichkeit fast unbemerkt, sein 20-jähriges Jubiläum gefeiert.
Mit einem Maulwurf aus Plüsch fing es an. Die hessische Landagsabgeordnete Karin Schmidt übergab dem CDU-Politiker nach seiner Wahl zum Schmalkalder Landrat den possierlichen Buddler, da doch noch so viel aufgewühlt werden müsse. Luther hat es so gehalten. Dass er sich eineinhalb Jahrzehnte noch ein schwarzes Schaf von den Denkmalschützern wegen des Abrisses der Schule in Steinbach-Hallenberg einfing, passt ins Bild. Luther gilt bisweilen als Dickschädel, will mit dem Kopf durch die Wand
Er werde jetzt noch ein bisschen mehr Stress haben , sagte der junge Landrat Luther in einem seiner ersten Interwievs, wahrscheinlich ohne zu wissen,was er da sagte

Denn tatsächlich hat der erste Mann im Kreis einen rappelvollen Kalender und ist auch an den Wochenenden oft ausgebucht. Zehn Termine am Samstag und Sonntag sind üblich - es können aber auch 30 und mehr sein.
Der Politiker Luther hält es wie der Luther, der große deutsche Reformator. Er schaut dem Volk aufs Maul, ist eher Poltergeist denn Feingeist. Legendär sind seine Grußbot- schaften. "Ich bin gut drauf, was?" schmettert der Lautsprecher Luther, der kein Mikrofon braucht, bei einem Spatenstich den Ehrengästen in Schlips und Kragen zu. Und bei einem Richtfest forderte er: "Her mit der Wasserwaage." Und als ein Adliger Herr in den frühen neunziger Jahren seine Aufwartung im Landratsamt machte und sich durch einen der Herren aus seinem Hofstaat vorstellen ließ, knurrte der mit mehreren Limoflaschen bewehrte Luther zu dessen Entsetzen . " Ach so. Nachher will auch irgend so ein Prinz kommen."
Doch wer Luther unterschätzt, hat schon verloren. Er ist hart im Nehmen und stark im politischen Nahkampf. Als es 1994 um die Nominierung des CDU-Kandidaten für die Landratswahl im neu geschaffenen Kreis Schmalkalden-Meiningen ging, gelang ihm sein politisches Meisterstück. Er konnte, aus der Außenseiterposition heraus, sich gegen den intellektuellen Ralph Puderbach durchsetzen.
Aber auch der von dem bisweilen verhaltensauffälligen Luther geführte Landkreis fällt auf. Im Altkreis Schmalkalden, der Werkzeugkiste Thüringens, gibt es mehr Industriearbeitsplätze als in Nordhessen, die Arbeitslosigkeit ist vergleichsweise niedrieg. Aber auch hier beheimatete Nahrungsmittelhersteller behaupten sich prima auf dem hart umkämpften deutschen Markt. Die meisten Schulen im Landkreis sind in einem Top-Zustand, die Kreistraßen saniert. Das Landratsamt ist personell glänzend aufgestellt. Vom Schuldenberg ist nur ein Hügelchen übrig geblieben, aber ein ansehnliches Vermögen in der Rücklage angehäuft worden. Und als der Haushälter Luther im Redaktionsgespräch auf die Finanzpolitik des Landes angesprochen wurde, wütete der Haudrauf Luther: "Die sind verrückt."
Höchst ehrenvoll ist sein Verdienst um den wintersport in der Region, vor allem um Oberhof. Luther brachte Schwung in den Laden: Er hat mit seinen Mitstreitern die einst schlaffen Strukturen gestrafft. Bein Bau der Skihalle, durchaus nicht unumstritten, legte der Landrat die Erfolgsspur.

Luther gehört zu den Dinosauriern unter den Landräten in Thüringen. Eberhard Schiffner aus Meiningen und Achim Storz aus Bad Salzungen, allesamt Männer der ersten Stunde nach der Wende, sind schon lange nicht mehr im Geschäft: Luther der ewige Landrat? Wohl nicht: 2012 will der CDU-Politiker, von vielen politischen Konkurrenten sehr geachtet, in den Ruhestand treten: Sicher nicht unauffällig - versteht sich.

Eröffnung Bürgerbüro in Schmalkalden (STZ 31.5.10)

Schmalkalden. Es war ein strahlendes Lächeln, welches Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht zeigte. War die Thüringer Regierungschefin über den herzlichen Empfang zur Eröffnung des CDU-Bürgerbüros in Schmalkalden doch sichtlich erfreut. Am Samstag nahm sie die altbekannte Anlaufstelle im Haus Altmarkt 9 wieder in Betrieb. Dort wird die CDU-Ministerpräsidentin künftig in regelmäßigen Abständen Bürger bei Fragen und Anliegen als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. In der voran gegangenen Legislaturperiode hatte der ehemalige CDU-Landtagsabgeordnete Jens Goebel im Erdgeschoss des am Markt gelegenen Hauses seine Sprechstunden durchgeführt. Nachdem er den erneuten Einzug in den Landtag verpasst hatte war die Perspektive des Bürgerbüros nicht geklärt. Darüber vergingen mehrere Monate. Nun schaltete sich Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht persönlich ein und eröffnete neben ihrem eigentlichen Wahlkreisbüro in Weimar-Land das leerstehende Bürgerbüro neu. Man könne nicht einfach noch über vier Jahre ohne Anlaufstelle der CDU vergehen lassen, meinte sie zum Neubeginn. Warum gerade sie Präsenz zeigt, begründete die Ministerpräsidentin vor den etwa 60 Eröffnungsgästen und weiteren interessierten Bürgern ebenfalls.

Es gebe viele biografische Gegebenheiten durch welche sie eine besondere Bindung an die Region hat. "Schmalkalden ist die Stadt meiner Leidenschaft, dem Wandern", sagte Christine Lieberknecht die auch Vorsitzende der Thüringer Gebirgs- und Wandervereine ist. Spätestens seit dem Deutschen Wandertag im Jahr 2000 habe sie die Stadt schätzen gelernt. Weiterhin bestehen familiäre Bindungen nach Steinbach-Hallenberg. "Die Liebe meines Lebens kommt aus dem Haseltal", verwies sie auf die Heimat ihres Ehemanns Martin Lieberknecht. Daher habe ihr Vorhaben, noch das CDU-Bürgerbüro in Schmalkalden zu führen, auch familiär große Zustimmung gefunden. Für ihr Wirken erachtet die Thüringer CDU-Vorsitzende dabei stets drei Dinge als notwendig: ein klares Wertgerüst, Leidenschaft und Zuwendung für die Menschen. Mit diesem Dingen ausgestattet will sie den Menschen in der Region nunmehr auch vor Ort ein Ansprechpartner sein. Außerdem soll das Geschäftszimmer am Altmarkt 9 auch vom CDU-Bundestagsabgeordneten Christian Hirte aus Bad Salzungen sowie dem Rohrer CDU-Landtagsabgeordneten und Kreisvorsitzenden Michael Heym besetzt werden. Zusammen wolle man Präsenz für die Bürger der Region Schmalkalden zeigen, äußerte sich Christine Lieberknecht über die Neueinweihung erfreut. Im Anschluss konnte sie unter anderem Glückwünsche vom Schmalkalder Bürgermeister Thomas Kaminski entgegen nehmen mit dem sie auf eine gute Zusammenarbeit hoffte. Außerdem waren zahlreiche Vertreter von CDU-Ortsvereinen aber auch anderer Parteien und von Institutionen vertreten.

Ihren ersten Sprechtag führt Ministerpräsidentin Lieberknecht am Nachmittag des 29. Juni durch. Anfragen dazu gab es bereits zur Eröffnung am Sonnabend. Das Büro wird von Christina Böhm geführt. Sie ist künftig stets freitags vor Ort, um Anliegen der Bürger aufzunehmen. Telefonisch ist sie wochentags unter der Rufnummer (03683) 400292 erreichbar. (eh)


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